Regenzeit Costa Rica Manuela Doerr-2

Zweite Kindheit in Costa Rica

Es regnet!

Und auch mein Schirm kann nichts dagegen tun, denn es regnet nicht nur von oben, sondern auch von unten. Langsam aber sicher klettert die Nässe an mir hoch und ich kann nicht einmal genau sagen, warum ich viel nasser werde, als bei einem vergleichbaren deutschen Regen. Vielleicht, weil ich mich bei so einem Guss nicht vor die Haustüre wagen würde? Wenn es in Deutschland schüttet, dann wartet man, verkriecht sich in seinem trauten Heim und ist sich sicher, dass es gleich weniger wird.
Das wird es auch.
Hier nicht.

Regenzeit Manuela Doerr

PLATSCH – PLANTSCH – HÜPF
Pfützenspringen!

Wann habe ich mich das das letzte Mal gewagt?
Ich weiß nur, dass es eine Ewigkeit her ist, denn ich kann mich nicht mehr daran erinneren.

Der Weg von der UCR bis zu mir nach Hause, das sind gerade einmal schnelle 10 Minuten. Aber dieses Sechstel einer Stunde reicht vollkommen aus, um meinen Rucksack und mich so weit aufzuweichen, dass mir alles egal ist.

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Irgendwann habe ich keine Lust mehr zu warten.
Die Ticos haben wohl mehr Erfahrung, denn hier wartet niemand, das Leben geht einfach weiter. Jeder hat einen Schirm dabei und es stört niemanden, dass der Himmel herunter fällt – oder zumindest ein Teil von ihm. Vielleicht weint er auch und lässt deshalb eine Flut von Tränen auf uns herab. Ob er wohl bedauert, dass sich die Sonne hinter ihm versteckt hat? Ich wünschte, er würde das verstehen und sein Verhalten ändern.

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Ich werde noch langsamer.
Was soll’s, wozu die Hetze, nass bin ich nun sowieso. Sich so verhalten, wie die Leute, die an diesem Ort leben, das hatte ich doch schon gelernt. Ich warte an der Ampel und gehe weiter, freue mich über die bunten Lichter auf dem Boden. Der graue Asphalt wird ein Kunstwerk, wie ein animiertes Gif schwabbt das Wasser hinüber und bildet einen Spiegel.
Man kann in diesen treten, ohne ihn zu zerstören. Ihn bewegen, verändern. Mit dem Werk kommunizieren, seine Struktur verwandeln. Ich tauche meinen rechten Schuh in die überfluteten Straßengräben. Bisher konnte sich keiner der Austauschstudenten vorstellen, dass diese eines Tages mit Wasser gefüllt sein könnten. Dieser Tag ist gekommen und dummerweise kommt er seit der Semana Santa täglich auf’s Neue.

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Ein doppelter Dank gilt auch meiner Spanischlehrerin Yenny Buholzer Sepúlveda und ihre Hilfe bei den etlichen Anmeldeformularen für die UCR , denn ohne sie wäre ich gar nicht erst hier in diese Pfützen geraten. Zudem hat sie auch noch mein Buchprojekt unterstützt, muchísimas gracias!