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Tierheim Interview – Christin & Wenzel

Zweites Interview.
Tierheimtier-Besitzer berichten über die ersten Tage mit ihren Schützlingen. Das folgende Interview ist Teil einer Serie, zu der ich noch Interviewpartner suche. Wie immer freue ich mich über euer Feedback zum Gespräch auf der Facebookseite oder direkt hier.

Christins Hund Wenzel ist 1 Jahr alt und kommt aus dem Tierheim „Asociatia Anima“ in Câmpulung, in Rumänien.

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Foto: Privat/Christin

1. Wie bist du dazu gekommen, einen Hund zu adoptieren? Wie bist du auf ihn aufmerksam geworden und wo hast du ihn entdeckt?
Wir haben uns kennengelernt, während wir in Câmpulung im Tierheim „Asociatia Anima“ geholfen haben. Er war zusammen mit drei älteren Hundedamen untergebracht, die er als junger Wilder permanent liebevoll zum Spielen zu animieren versuchte.
– Was hat euch dann letztendlich dazu gebracht, ihn mitzunehmen? Ging das so spontan problemlos?
Das ging so problemlos, weil er schon einen EU-Ausweis und eine Tollwutimpfung hatte. Er war schon für die Vermittlung vorgesehen. Und dann wars am Ende echt eine Sache von zehn Minuten. Hund schnappen, nochmal Wurmkur und Antiflohkur drauf und ab ins Auto.

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Foto: Privat/Christin

2. Welche Ängste oder Sorgen hattest du vor der Adoption und wie hast du dich auf sein Ankunft vorbereitet?
Da wir schon zwei Hunde hatten, war das wichtigste, dass die Chemie zwischen den Hunden stimmt. Außerdem musste der Hund, der noch nie in seinem Leben einen Besitzer hatte, mit uns noch eine Woche mit dem Auto durch Rumänien reisen, da unser Urlaub schon geplant war. Es war abenteuerlich, aber eine gute Möglichkeit um zusammenzuwachsen.
– Hat er sich Zuhause mit den anderen Hunden dann sofort vertragen, oder gab es erstmal Streit?
Meine Hündin war ja mit in Rumänien, die beiden haben sich also schon dort kennengelernt. Wir haben den beiden Zeit gelassen, um sich in Ruhe aneinander zu gewöhnen. Streit gab es nicht, aber die Fronten mussten natürlich mal geklärt werden. Unser alter Terrier hat ihn dann in Deutschland völlig entspannt begrüßt. Für Wenzel waren meine beiden Hunde eine tolle Orientierung, schließlich war er es gewöhnt mit Hunden statt mit Menschen zu interagieren. Er hat viel von ihnen gelernt.
Hätten sich die Hunde nicht verstanden, gab es aber einen Plan B. Das ist mir wichtig, damit der gerettete Hund dann nicht am Ende doch nur wieder im Tierheim landet. Zum Glück haben wir die Alternative nicht gebraucht 😉

3. Wie war der erste Tag mit ihm?
Verregnet, kalt, wir haben die meiste Zeit im Auto verbracht.

4. Was hat er als erstes angestellt?
Die Leine durchgebissen, mit der er während der Mittagspause am Auto angebunden war. Ohne sich jedoch vom Fleck zu bewegen. Zum Glück….

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Foto: Privat/Christin

5. Drei Eigenschaften, an denen du immer wieder erkennst, dass er aus einem Tierheim kommt.
1. Er ist absolut hervorragend mit Hunden sozialisiert.
2. Er scheint nie satt zu sein und nichts ist ungenießbar.
3. Er hat eine kleine Narbe von der Kennzeichnungs-Ohrmarke.

6. Würdest du wieder einen Hund adoptieren?
Ja, natürlich.
Weil der richtige Hund überall auf mich warten kann und im Tierheim suche ich immer zuerst!

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Foto: Privat/Christin

7. Wie hat sich dein Leben durch den Hund verändert?
Ich weiß meine wohlerzogene, pflegeleichte Hündin wieder zu schätzen 😉
Wenzel hat Leben in die Bude gebracht, bringt uns ständig zum Lachen, und hat jeden gleich um die Pfote gewickelt. Eigentlich ein absolut einfacher Hund.
– Wieso nur eigentlich?
„Eigentlich“ weil er das Zusammenleben mit Menschen erst lernen musste. Er war nicht stubenrein und das hat wirklich lange gedauert. Er wurde vorher noch nie an einer Leine geführt, kannte keine Treppen. Aber im Tierheim haben wir getestet, ob er sich problemlos anfassen und hochheben lässt. Und wie er auf Menschen reagiert. Da das durchweg positiv war, haben wir uns darauf verlassen, ihm den „Rest“ schon beibringen zu können. Und das hat auch gut funktioniert!

Und zum Schluss, welche Tipps hast du für zukünftige Tierbesitzer?
Lerne das Tier UNBEDINGT persönlich kennen! Ein Foto sagt nichts darüber aus, ob die Chemie zwischen euch stimmen könnte. Und ein Hund ist teuer, macht Arbeit, Dreck, braucht viel Zeit und wird alt – das muss schon der „richtige“ sein, damit wirklich die positiven Erlebnisse überwiegen!

Vielen Dank Christin, dass du eure Geschichte geteilt hast!