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Schnee? Wie fühlt sich das an?

Schnee? Warum Schnee?
Der April-Hagel, der sich gerade auf mein Veluxfenster gestürzt hat, erinnert mich an Tamara. Meine beste Freundin aus Costa Rica hat mich im Januar zusammen mit Gabriela in Dortmund besucht. Mir wurde klar, dass es tatsächlich Menschen gibt, die noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen haben! Die ihn nur von Fotos kennen.

 

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Pünktlich um 9 Uhr begann es damals Ende Januar zu schneien. Aber bevor wir uns in das fremde Weiß hinaus wagten, tischten mein Freund und ich ein deutsches Frühstück auf: Brot, Butter, Wurst, Käse und Nutella.
„Welche Klischees über Deutschland kennt ihr?“, wollte mein Freund wissen.
„Die größten Kakerlaken der Welt leben in den Bergen Deutschlands“, verrieten uns die Mädels. Was, Kakerlaken? Na okay…
„Und die Deutschen haben kein Wasser. Sie waschen sich nicht! Und Gemüse ist extrem teuer“, erklärten sie weiter. Stimmt, viel Gemüse stand nicht auf unserem Frühstückstisch, nur eine mickrige Tomate als Beilage zum Gouda. Dieser besagte Gouda wird von den beiden hoch gelobt, genau wie der gesamte restliche Aufschnitt.
„Man kann sein Brot viel dünner belegen, weil der Geschmack intensiver ist“, stellte Tamara begeistert fest, als sie ihr Brot zerpflückte und immer einen Brocken mit Käse kombiniert. Eine Brotscheibe als Ganzes zu essen, das ist scheinbar ebenfalls ziemlich deutsch.

 

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Während draußen weißes Wasser vom Himmel fiel, dachte ich über das flüssige Wasser aus der Leitung nach und stellte eine neue Theorie auf: Weil man in Deutschland Sprudelwasser in Flaschen kauft, kommen Ausländer in die Versuchung zu denken, dass es aus dem Hahn nicht genügend Trinkwasser gibt. Ich erinnere mich an meinen ersten Tag in Costa Rica, an dem ich für ein kleines Vermögen eine 0,5 l Flasche Wasser gekauft hatte. Obwohl alle beteuerten, dass das Leitungswasser trinkbar sei, war ich skeptisch. Außerdem gibt es laut der beiden Mädels ein Gesetz in dem kleinen Land Mittelamerikas, dass man das Anrecht aus ein Wasserglas hat, wenn man an einer fremden Tür klopft und darum bittet. Das könnte man hier auch tun, aber…

Tamara und Gabriela schlangen das Frühstück herunter – ganz klar, sie wollten raus. Wie kleine Kinder rutschten sie auf den Stühlen hin und her. Aber bevor es losging, lüfteten wir noch die Wohnung.
„Viel zu kalt!“, beschwerten sich die beiden, sahen aber schnell ein, dass man mit hochwertig isolierten Fenstern zwar die Wärme im Haus behält, aber auch die frische Luft aussperrt. Ein Grund mehr, sich schnell die vier Schichten Kleidung übereinander anzuziehen und zwei Mützen und vier Paar Socken und zwei Schals.
Dann ging es raus.

Während mein Freund und ich zielstrebig den Weg in Richtung Bahn einschlugen, blieben die beiden nach jedem knirschenden Schritt stehen.
„Manu! Das ist so,… so aufregend! So habe ich das nicht erwartet!“, rief mir Tamara hinterher. Sie strahlte über das ganze Gesicht und auch Gabriela wagte den ersten Schritt auf dem rutschigen Untergrund. Klar, zusammengedrückter Schnee ist rutschig, das weiß doch jedes Kind! Naja, zumindest jedes Deutsche, wie ich feststellen musste.

 

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„Weisst du noch, wie du dich damals über deine erste Kokosnuss im Hostel oder über die in Manzanillo am Stand gefreut hast?“, fragte Tamara, als sie nach einigen Metern erneut kurz stoppte, um ein Foto von einem Schneemann in einer Einfahrt zu schießen. Er trug sogar eine orange Möhre als Nase, die so lang war, das er Pinocchio hätte heißen können.
„Ja, natürlich! Das werde ich nie vergessen!“, antwortete ich.
„So freue ich mich gerade über den Schnee!“

Wo kann man Schnee denn richtig genießen?
In der Dortmunder Innenstadt wohl kaum, deshalb fuhren wir nach Düsseldorf zum Schloss Benrath. Dort gibt es sogar ein kleines Naturkundemuseum, denn leider hat das Dortmunder zur Zeit aus Renovierungsgründen geschlossen. Die natur-gewöhnten Ticas brauchten nach einigen Wochen Städtetouren Natur und wollten endlich deutsche Tiere sehen – ein Grund mehr für das Museum.

 

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„Ist das schnell? Und wie bremst man? Muss ich mich einfach drauf setzen? Und fährt der Schlitten von alleine geradeaus???“, fragte Tamara, während Gabriela sich wohlwissend mit den ersten Schneebällen bekannt machte. Wen man damit wohl bewerfen könnte?

 

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Auf der Bahnfahrt zu meinen Eltern zeigte mir Gabriela Seiten aus ihrem Skizzenbuch. So sieht also ein costa-ricanischer Szenografenkopf von innen aus!

 

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Was gibt es in meiner Heimatstadt Neuss zu sehen?
Im Winter gibt es keine Schützenfest und auch bis Karneval sollten es noch einige Tage sein. Trotzdem, ein Highlight kann die Stadt bieten! Nach dem typisch deutschen Abendessen – mit Semmelknödeln, Rotkohl und Schweinelenden – spazierten wir am nächsten Tag mit meiner Mutter zum Selikumer Kinderbauernhof. Dort waren wir oft als Kinder, jetzt sind wir wieder Kinder, sehen die Welt mit neuen Augen. Meine Mutter und ich müssen über die Freude der beiden schmunzeln, die sich an jeden Gehegezaun lehnen und jedes Tier genau beobachten.

 

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Es stellt sich heraus, dass costa-ricanische Ziegen anders aussehen als Deutsche und das die Ticas noch nie Schafe gesehen haben, ja, sogar nicht einmal das Wort „Schaf“ auf Spanisch kennen. Und dann nahm Gabriela Anlauf … Bums! …

 

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… was wäre der erste Schnee ihres Lebens ohne Schneeengel?!

 

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Me encanta pensar en este tiempo, me hace tan feliz!
Ustedes tienen que volver pronto, para ver más nieve ;). Por lo menos ahora ustedes saben que hay suficiente de agua en Alemania y que este cliché no es correcto. También saben como es ver la nieve y tocarla. Entonces, pienso que tengo que volver en poco tiempo a Costa Rica para que no me olvide como es el bosque lluvioso y como es una lluvia fuerte!
Entonces, un abrazo fuerte y hasta pronto!

 

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