Tanzen Costa Rica Manuela Doerr-1

Männerüberschuss

Ich mag das Prinzip der durchwechselnden Partner beim Tanzkurs.
Nach jedem Tanz wird einmal getauscht und so stehen immer wieder andere Herren vor mir. Man hat gar keine Zeit, sich im Paar in die Haare zu bekommen, dafür lernt man die anderen Kursteilnehmer kennen und zu allem Überfluss lernen die Herren auch noch Führen und die Damen Folgen.
Bravo!
Das sollte man in Deutschland auch einführen, aber dafür ist unsere Kultur zu anders. Wir wollen mit unserem Eherpartner das Tanzbein schwingen und am liebsten mit keinem anderen. Irgendwie finde ich das merkwürdig, denn eigentlich hat das Paar hier einen viel höheren Stellenwert. Beispielsweise geht am Wochenende die gesamte Familie im Pulk einkaufen, mit Kindern und einem großen Einkaufswagen. In Deutschland erledigen das die Frauen oft alleine. Vermutlich will man deshalb wenigstens in der Freizeit an der Familie festhalten. Tanzen ist in Deutschland ein Paarsport, erst im Leistungssportbereich werden die Lebenspartner getrennt und für den Sport durch feste Tanzpartner ersetzt.

Tanzen Costa Rica Manuela Doerr-1
Ich beim Tanz auf dem Vulkan Poás.
Foto: Tamara

Es herrscht Männerüberschuss.
Bei jeder Runde stehen zwei Herren an der Seite und warten auf das nächste Lied, bei dem wieder gewechselt wird und sich neue Männlein und Weiblein finden.
Das ich das in meinem Leben noch einmal erlebe!
Zu viele Männer, die freiwillig zum Tanzen gehen!
Aber es kommt noch besser, nach zwei-drei Runden kommen immer mehr Herren zielstrebig auf mich zu. Sobald die Musik endet und die Partner getauscht werden, steht schon der nächste grinsende junge oder auch ältere Herr vor mir und greift nach meiner Hand. Eigentlich ist das immer anders herum, da muss man sich als Dame gut anstellen, um einen der guten Tänzer für noch eine Rumba oder einen Chacha zu begeistern.
Hier kommen sie angeflogen!
Daran muss ich mich erst einmal gewöhnen!

Für die Damen scheint es normal zu sein, die Tica neben mir lächelt sogar etwas erschöpft, als wieder der kleine, drahtige Mann aus der hinteren Ecke vor ihr steht und mit ihr tanzen möchte. Sie zieht an ihrem klebrigen, orangen T-Shirt, welches sie eigentlich gerade vor dem Ventialtor lüften wollte.
Einige Herren haben mit zwei T-Shirts vorgesorgt, verschwinden dann plötzlich und tauchen frisch gekleidet mit trockenem T-Shirt wieder auf, bereit für die nächste Cumbia.
Interessant finde ich auch, wie der Tanzlehrer immer wieder darauf hinweist, dass wir doch Deos benutzen sollen. Vielleicht bin ich deshalb bisher noch keiner nach Schwitzsport duftenden Person begegnet… Danke Tanzlehrer!

Wir tanzen Salsa und Merengue, erst im Paar, dann einzeln vor dem Spiegel, dann wieder im Paar. Anschließend kommt noch eine Cumbia, der Nationaltanz und auch costarikanischer Swing genannt, hinzu. Wir hopsen und springen, nach 1 ½ Stunden sind wir endgültig alle klitschnass, auch die Cleveren mit einem zweiten Outfit.
Wir lachen.
Das Lachen friert sich auf den Gesichtern fest und wird zu Fratzen.
Ich mag diese Fratzen!
Montag gibt’s es wieder neue Fratzen.

Nach dem Kurs bildet sich draußen eine Schlange.
Was wollen sie alle dort?…

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