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Kühe laufen den Berg hinab

„Wenns ihr Studierende kommt, da b’ginnts da Herbscht für uns Olanger“, sagt die Einwohnerin dir. Für dich ist es vielmehr der Südtiroler Almabtrieb, der die goldene Jahreszeit einläutet. Wenn beim jährlichen Event die Kühe feierlicht von den Almen zurück in den Stall gebracht werden. Seitdem verstehst du besser, dass sie für die Bewohner der Gemeinde eine große Bedeutung haben. Du erlebst die andere Kultur ganz nah und erfreust dich am Lachen und Jodeln der Landwirte.

Ein Tag – eine Feier.

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‚Das ganze Dorf feiert‘
Jeder Vorgarten gibt Grashalme für die Kühe preis und die Straßen werden für Autos gesperrt. Die Tiere kommen von den Bergen hinab, trotten in kleinen Gruppen an den Wohnhäusern und Gastwirtschaften vorbei. Dabei säumen Menschen die Wegränder, bejubeln die wohl genährten Paarhufer und bewundern die stolzen Landwirte, die ihren geschmückten Arbeitskollegen den rechten Weg aufzeigen.

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Von jetzt auf gleich sind die Kühe im Ort, nicht mehr auf der Weide,
oben, im Grünen – erst jetzt im Stall. Tier-Couchsurfing und gratis Hotelübernachtung bekommen sie. Sind sie die Elite!
Während der Feier gibt es für die Zuschauer des Almabtriebs süßes Gebäck. Berliner Ballen, noch süßer und klebriger, mit Zucker bestäubt; werfen die Landwirte in die Menge.
Da stehst du auch.
Du fängst einen der Bälle.

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Du beißt hinein, genießt den Weizenbatzen, betrachtest die Kühe.
Du hältst ihn wie einen Mond über den Berg.

Schon klar, dass sich auf den Bergen kein Weizen anbauen lässt.
Mais auch nicht.
Anderes Getreide und Gemüse auch nicht.
Hier Kühe zu halten ist klug, auch wenn ihr Fleisch ernährungstechnisch viel ineffizienter ist. Im Bezug auf die steigende Weltbevölkerung und den Wasserverbrauch.

Kühe muss man nicht anbauen, die kommen da runter, sind hier evolutionsbedingt aufgewachsen, haben hier etwas verloren.
Ihre Herkunft
und sie lieben die Menschen…

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zumindest wehren sie sich nicht, akzeptieren.
Bist du dumm, wenn du einfach akzeptierst?

 

Es klingelt. Die Kühe traben, besteigen
sich, vom Berg hinunter.
Für uns Menschen.
Kannst du den Ton der Kuhglocke ignorieren?

Der Herbst beginnt – eine neue Lebenslandschaft:
Füttern, Misten, Betrachten, Verarzten, Füttern und Misten.
Füttern, Misten, Betrachten, Verarzten, Füttern und Misten.
Füttern, Misten, Betrachten, Verarzten, Füttern und Misten.
Füttern, Misten, Betrachten, Verarzten, Füttern und Misten.
Füttern, Misten, Betrachten, Verarzten, Füttern und Misten.
Füttern, Misten, Betrachten, Verarzten, Füttern und Misten.

Kurzzeitgedächtnis.

Weg hier.

 

 

 

 

 

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Wollen Kühe überhaupt fotografiert werden?

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http://manudoerr.tumblr.com/post/128925464665/ist-nicht-jedes-video-foto-und-jeder-ton-eine

 

 

Mit Kulleraugen bestückt schauen sie.
Die ganze Zeit,
so klangvoll.

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Man kann nicht klangvoll schauen.
Punkt.

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Eine Woche vor den Mitterolanger Kühen betreten die Oberolanger Kühe ihren Stall. Beim Abtrieb brechen sie aus, nur um schnell wieder zur Gruppe zurück zu kehren.
Man munkelt.
Fliegen sterben.
Felllandschaft.

 

 

Mit dem folgenden Bild möchte ich diesen Blogbeitrag schließen.
Für dich spiegelt es unser Verhältnis zum Tier wider. Es besteht Hoffnung, denn hier, vielleicht in Olang, hast du einen sehr ehrwürdigen Umgang mit den Kühen und allen anderen Tieren erlebt.
Fragst du dich, warum das sonst nicht so ist?
Warum man Tiere misshandelt?
Warum man den Kühen ihr natürliches Umfeld nicht gewährt?

 

 

Wer ist eigentlich „man“?

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Danke, dass ihr die Wörter versteht, wie sie hier stehen…

 

Manche Verhältnisse von Menschen zu anderen machen mich traurig…
Trotzdem danke für all die Wörter, Landschaftsbeschreiber!
Danke für die geduldige Fotobegleitung, Alex!

Wem die Serie gefällt, der kann hier hochwertige Prints bestellen.