Wohnung San jose Manuela Doerr-4

75 Meter östlich vom hinteren Eingang des gelben Hauses

Ist es eigentlich egal wie weit man von Zuhause entfernt ist? Oder von seinen Freunden und von der Familie? Nach San José muss man den Globus ein halbes Mal umrunden, um nach NRW zu kommen. Nach Hamburg war es im Vergleich nur ein Katzensprung. Trotzdem hatte ich weder dort, noch habe ich hier, meine Familie bei mir. Demnach ist es doch eigentlich egal… oder?
Es bleibt nur das Gefühl, dass diese bunten Häuser und spanisch sprechenden Menschen schon ganz schön weit weg sind. Vielleicht auch die Tatsache, dass man sich nicht im Notfall mal eben in den Zug setzen kann. Als Belohnung für diese bedeutende Entscheidung, erlebt man eine ganz andere Kultur und Natur und entdeckt jeden Tag etwas Neues.

Wohnung San jose Manuela Doerr-3
Das habe ich mir gestern nach dem Sprachkurs gekauft. Im Hostel ließ ich mich dann auf die Couch fallen und freute mich auf meinen Tomaten-Käse-Teigzopf. Yammi! Das Problem an der Sache erkannte ich leider erst zu spät, nämlich in dem Moment, in dem ich schon ein Stück abgebissen hatte: Die Tomatensauce entpuppte sich als Erdbeermarmelade. Mist… Schon blöd, wenn man den Namen des Produktes nicht kennt und sich von seinem hungrigen ersten Eindruck täuschen lässt.

Das Telefonieren nach Deutschland gestaltet sich wie erwartet als schwierig, da die Zeitverschiebung, mein Spanischkurs und die Arbeit meiner Eltern nicht so ganz konform gehen.
(Zeitangaben + 7h für Deutschland:) Ich bin von 9 – 13 Uhr im Sprachkurs und habe dann immer noch vier Stunden Zeit, um Dinge zu erledigen, bevor es Dunkel wird. In der Zeit von 13:30 – 17:30 Uhr schaue ich mir also meist Wohnungen an oder versuche mit meinem Visum weiter zu kommen und lasse an allen möglichen Orten anrufen. Zum Glück habe ich eine Mitstreiterin gefunden: Annette arbeitet im Hostel und möchte nun auch eine eigenes Zimmer beziehen und nicht mehr hier wohnen. Ihr ist es jedoch nicht so wichtig, mit Ticos zusammen zu wohnen, sie möchte einfach ihr eigenes Reich haben. Das kann ich gut verstehen, wenn man bedenkt, dass man hier kaum eine Tür hinter sich schließen kann. In Costa Rica stehen einem alle Türen offen, nur die Gittertüren nicht. Somit hat man immer eine gewisse Geräuschkulisse um sich, das Hupen von der Straße, die Musik vom Fernseher aus dem Nachbarraum und das Gespräch der Mädels aus der Küche. Für die Gemeinschaft ziemlich förderlich, aber als Deutsche muss man sich erst einmal daran gewöhnen, dass immer Durchzug herrscht. Sogar in der Bank, in der ich gestern Morgen eine Überweisung getätigt habe, stand die ganze Zeit die Glastür auf.

Wohnung San jose Manuela Doerr-4

Übersetzungen für mein Visum
Mein FH Account hat noch nie eine E-Mail in den Spamordner verschoben, nun bekomme ich das erste Mal eine Message, dass die Mail vom Übersetzerbüro als Spam gesperrt wurde. Soso! Gut, dass ich dann doch noch auf Tico-Mittel umgestiegen bin und dort angerufen habe. Meine Spanischlehrerin meinte heute, dass die Ticos wohl direkter sind und deshalb immer sofort anrufen. Mein Handy klingelte nämlich plötzlich im Unterricht, obwohl niemand meine Nummer hat, strange! Da hatte sich direkt jemand verwählt. Mal sehen wie oft das noch passieren wird. Vielleicht habe ich ja eine ähnliche Nummer wie ein costa-ricanischer Superstar oder ein Politiker?!
Morgen kann ich die Übersetzungen auf jeden Fall ab 9 am abholen, der Spass kostet 52 Dollar. Das Büro ist im Viertel Amón, 75 Meter östlich vom hinteren Eingang des gelben Hauses. Hoffen wir mal, dass ich das gelbe Haus im Viertel Amon finde… Wahrscheinlich ist es zwei Blocks neben dem Park :D. Naja, aber man findet so immer interessante Orte und kommt direkt ans Sprechen, wenn man nach den Häusern suchen muss.

Wohnung San jose Manuela Doerr-6

Die Wohnung
Mit der Wohnungssuche ist das ähnlich, beim letzten Zimmer habe ich mir die Adresse via Googlemaps übermitteln lassen. Und ich habe es dann sogar ganz alleine gefunden, yeah! Aber das beste daran ist, dass mir der recht große Raum in einem Studentenwohnhaus gut gefallen hat und ich nun endlich ein Zimmer habe! Annette, die ja ebenfalls eine neue Bleibe sucht, und ich hatten uns heute direkt nach meinem Sprachkurs in den Osten San Josés nach Vargas Araya begeben, um dort eine Wohnung, die ich bei airbnb gefunden hatte, anzusehen. Soweit so gut, 20 Minuten Fußmarsch und eine sehr nette Vermieterin. Allerdings hat uns das Zimmer für einen halbjährigen Aufenthalt dann doch nicht so 100%ig zugesagt.

Wohnung San jose Manuela Doerr-8
Annette, muchas gracias para ir conmigo!

Wohnung San jose Manuela Doerr-9
Dafür waren Maria, die Besitzerin, und ein Nachbar sehr gesprächsfreudig und wollten uns direkt auf einen Kaffee einladen. Sie lassen ihre Wohnungstür immer offen: „Die Gegend hier ist sehr sicher.“ Und das Viertel macht wirklich einen guten Eindruck, hinter dem Haus ist eine große Grünfläche mit wild wuchernden Pflanzen und das Nachbarhaus ist babyblau gestrichen.

Wohnung San jose Manuela Doerr-7
Sie erzählten uns, das letzte Nacht jemand einen total verschüchterten Welpen bei ihnen ausgesetzt habe, den sie aber nicht behalten können. Nun suchen sie ein neues Zuhause für die Kleine. Also falls jemand jemanden kennt, der jemanden kennt, der einen Tico kennt, der einen Hund braucht, dann sagt Bescheid!

Esta pequeña perra no tiene un dueño. Si quieres hacerte cargo de ella, dime lo.

Wohnung San jose Manuela Doerr-5
Als wir uns auf den Heimweg machten, sagte sie auch, dass es nicht schlimm sei, wenn wir das Zimmer nicht nähmen, das wäre kein Problem. Wirklich total nett!
Ihre Mutter hat eine Milchkuhfarm, die vier Stunden Autofahrt von hier entfernt ist und auf der Maria jede freie Minute verbringt. Dort würde ich gerne einmal mit hinkommen, vielleicht lässt sich das ja einrichten.

Wohnung San jose Manuela Doerr-10
Fotos von meinem neuen Wohnort gibt es wohl erst nächste Woche, solange möchte ich euch aber dieses Pinke Auto nicht vorenthalten 😉

Ein erfolgreicher Tag mit einer super Wohnung, Montag ziehe ich dann vom Hostel um, chacka!
Auf dem Rückweg habe ich mir dann noch eine Mango an einem Straßenstand für 695 Colones gekauft. Ich durfte eine von der Ladefläche des Autos aussuchen und sie dann wiegen. 1 Kilo kostet 1000 Colones, 3 Kilo hätten wir zum Megarabatt von 2000 Colones bekommen. Leider konnte ich Annette und Juan nicht überreden, naja, nächstes Mal. Meine gehe ich nun auf jeden Fall erst einmal schlachten, bevor ich mich den Spanischhausaufgaben widme 🙂